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Schneewittchen    
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Schneewittchen

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Schneewittchen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

*

Eines Winters, als die Schneeflocken wie Federn vom Himmel fielen, wünschte sich eine Königin eine kleine Tochter. Wenig später wurde ihr Wunsch erfüllt. Das Kind bekam den Namen Schneewittchen, da seine Haut so weiß wie Schnee war. Seine Wangen waren rot wie Blut. Sein Haar so schwarz wie Ebenholz.

Schon kurz nach Schneewittchens Geburt starb ihre Mutter.

Als ein Jahr vergangen war, heiratete der König dieses Landes wieder. Die neue Königin war sehr schön. Sie besaß einen magischen Spiegel. Immer wenn sie darin ihr Spiegelbild ansah, fragte sie:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete:

„Ihr seid die Schönste im ganzen Land.“

Dann war die Königin glücklich. Sie wusste, dass der Spiegel immer die Wahrheit sagte.

Aber mit jedem Tag wurde Schneewittchen ein bisschen größer. Sie war ein hübsches Kind, und sie entwickelte sich zu einer Schönheit. Die Prinzessin wurde schöner als die Königin.

Und eines Tages, als die Königin ihre Frage stellte, antwortete der Spiegel:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“

Die Königin wurde blass. Von diesem Moment an hasste sie Schneewittchen wie Gift. Mit jedem Tag wurde sie wütender. Auf jemanden neidisch zu sein, ist, als würde man schlechten Kräutern einen Platz in seinem Herzen geben. Am Ende wachsen sie zu stark und ersticken dich. 

Schließlich hielt es die Königin nicht mehr aus, Schneewittchen jeden Tag zu sehen. Also befahl sie ihrem Jäger, etwas Schreckliches zu tun.

„Bring Schneewittchen hinaus in den Wald. Ich will ihr Gesicht nie wieder sehen. Du musst sie töten. Bring mir ihre Lunge und ihre Leber, damit ich weiß, dass sie tot ist.“

Der Jäger versuchte zu gehorchen. Er führte Schneewittchen hinaus in den Wald. Er holte sogar sein Messer hervor, um sie zu töten.

Schneewittchen schrie: „Oh! Bitte, tu mir nicht weh. Wenn du mich gehen lässt, verspreche ich, in den Wald zu laufen und nie wieder nach Hause zu kommen.“’

„Nun gut, dann lauf“, sagte er, weil er Mitleid mit ihr hatte. Sein Herz wurde leichter, weil er das Furchtbare nicht getan hatte.

Als der Jäger durch den Wald davonging, lief ein junges Wildschwein an ihm vorbei. Er schoss es und brachte der Königin seine Lunge und Leber als Beweis, dass Schneewittchen tot war. Die böse Königin ließ sie schmoren und aß sie auf. Sie glaubte, dass sie Schneewittchen nie wiedersehen würde.

Als Schneewittchen allein im Wald war, schienen die Bäume um sie herum seltsame Formen anzunehmen. Sie hatte solche Angst, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte. In Panik begann sie, über die scharfen Steine und durch die Büsche zu laufen.

Die wilden Tiere des Waldes liefen an ihr vorbei, taten ihr aber nicht weh. Schneewittchen rannte so weit und so schnell in den Wald, wie ihre Füße sie tragen konnten. Als der Himmel dunkel wurde, sah sie ein kleines Haus und ging hinein.

Alles darin war winzig. Es gab einen Tisch mit sieben kleinen Tellern, und bei jedem lagen eine kleine Gabel, ein kleines Messer und ein kleiner Löffel. Es gab sieben kleine Becher. Und an der Wand standen sieben kleine Betten.

Schneewittchen war so hungrig und durstig, dass sie von jedem Teller ein wenig aß und aus jedem Becher einen Tropfen trank. Dann legte sie sich auf eines der Betten und schlief ein.

Als es ganz dunkel war, kamen die Eigentümer des kleinen Hauses zurück. Es waren sieben Zwerge, und sie hatten den ganzen Tag über hart gearbeitet. Sie arbeiteten in den Bergwerken, die tief bis ins Herz des Berges reichten.

Die Zwerge machten sieben Lampen an und sahen sich im Raum um. Sie konnten sehen, dass jemand in ihrem Zuhause gewesen war.

Der erste sagte: „Wer hat auf meinem Stuhl gesessen?“

Der zweite sagte: „Wer hat mein Brot gegessen?“

Der dritte sagte: „Wer hat meinen Haferbrei gegessen?“

Der vierte sagte: „Wer hat mein Gemüse gegessen?“

Der fünfte sagte: „Wer hat meine Gabel benutzt?“

Der sechste sagte: „Wer hat mit meinem Messer geschnitten?“

Der siebte sagte: „Wer hat aus meinem Becher getrunken?“

Dann sah sich der erste Zwerg um. Als er zu seinem Bett kam, fand er Schneewittchen, in tiefem Schlaf. Er rief die anderen, die sich mit leisen Überraschungsrufen versammelten.

„Oh!“, riefen sie. „Was für ein schönes Mädchen!“

Sie weckten sie nicht auf, sondern ließen sie die ganze Nacht in dem kleinen Bett schlafen.

Am Morgen wachte Schneewittchen auf. Zuerst hatte sie Angst, als sie die sieben Zwerge sah, aber sie waren sehr freundlich. Sie fragten nach ihrem Namen. „Schneewittchen“, antwortete sie.

„Warum bist du zu unserem Haus gekommen?“, fragten die Zwerge.

Schneewittchen erzählte ihnen, dass ihre Stiefmutter, die Königin, sie in den Wald geschickt hatte, um sie umbringen zu lassen. Sie erklärte, wie der Jäger sie hatte gehen lassen, und dass sie durch den Wald gerannt war, bevor sie das Haus der Zwerge fand.

Die Zwerge erlaubten ihr zu bleiben. Im Gegenzug versprach Schneewittchen, dass sie für sie in ihrem kleinen Haus kochen und putzen würde.

So begann Schneewittchen ihr neues Leben im Wald. Jeden Morgen gingen die Zwerge in den Berg, um nach Gold zu graben. Wenn sie am Abend nach Hause kamen, hatte Schneewittchen für sie Abendessen gemacht.

Den ganzen Tag lang war das Mädchen allein, und deshalb warnten die Zwerge sie: ’Hüte dich vor deiner Stiefmutter. Sie wird bald herausfinden, dass du hier bist. Was auch immer du tust, lass niemanden ins Haus.’

Nun glaubte die Königin, dass sie Schneewittchens Lunge und Leber gegessen hatte. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie nicht wieder die schönste Frau der Welt war. Also schaute sie eines Tages in ihren Spiegel und sagte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, Aber Schneewittchen über den sieben Bergen
bei den sieben Zwergen ist noch tausendmal schöner als Ihr.“

Die Königin war entsetzt. Sie begriff, dass der Jäger sie angelogen hatte und dass Schneewittchen noch lebte. Der magische Spiegel sagte immer die Wahrheit.

Die böse Königin überlegte Tag und Nacht, wie sie Schneewittchen zerstören könnte. Ihr neidisches Herz ließ ihr keine Ruhe, solange jemand anders schöner war.

Als sie ihren Plan gefasst hatte, machte sie einen Kamm und vergiftete ihn mit dunkler Magie. Sie schminkte ihr Gesicht und kleidete sich wie eine alte Frau. Ihre Verkleidung war so gut, dass niemand sie erkennen konnte. So machte sich die böse Königin auf den Weg zum dem Haus, in dem Schneewittchen mit den Zwergen lebte. Sie klopfte an die Tür.

Schneewittchen schaute aus dem Fenster.

„Guten Morgen!“, rief sie hinaus. „Es tut mir leid, ich kann niemanden hereinlassen.“

„Aber herausschauen wirst du doch dürfen?“, fragte die alte Frau. Sie hielt den schönen Kamm hoch, damit das Mädchen ihn sehen konnte.

Schneewittchen gefiel der Kamm so sehr, dass sie sich hereinlegen ließ. Sie öffnete die Tür.

„Komm her, meine Liebe, ich werde dir dein Haar gründlich kämmen“, sagte die alte Frau.

Schneewittchen erkannte nicht, dass sie in Gefahr war. Kaum hatte der Kamm ihr Haar  berührt, wirkte das Gift. Sie wurde ohnmächtig.

„Jetzt bist du erledigt“, sagte die böse Königin lächelnd. Sie lief so schnell sie konnte nach Hause.

Zum Glück war es beinahe Abend. Es dauerte nicht lange, bis die sieben Zwerge nach Hause kamen. Als sie Schneewittchen tot auf dem Boden liegen sahen, begriffen sie, dass dies das Werk ihrer bösen Stiefmutter war.

Sie suchten, bis sie den giftigen Kamm fanden. Sobald sie ihn aus Schneewittchens Haar zogen, wachte das Mädchen auf. Gleich erzählte sie ihnen, was passiert war. Die Zwerge ermahnten sie noch einmal, vorsichtig zu sein und niemandem die Tür zu öffnen.

Als die Königin nach Hause kam, ging sie zum Spiegel und fragte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
aber Schneewittchen über den sieben Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als Ihr.“

Als sie diese Worte hörte, zitterte die Königin vor Wut. Sie wusste, dass Schneewittchen wieder überlebt hatte.

„Schneewittchen muss sterben!“, schrie sie. „Und wenn es mein eigenes Leben kostet!“

Dann ging sie zu einem geheimen Raum und machte mit ihrer Magie einen vergifteten Apfel. Er sah wunderschön aus, mit hübschen weißen und roten Backen. Jeder, der ihn sah, würde ihn essen wollen, aber jeder, der ihn aß, würde auf der Stelle sterben.

Die Königin verkleidete sich noch einmal. Sie ging durch den Wald zum kleinen Haus der sieben Zwerge und klopfte an die Tür.

Schneewittchen sah aus dem Fenster.

„Guten Morgen!“, rief sie hinaus. "Es tut mir leid, ich kann niemanden hereinlassen.“

„Ich habe einen wunderschönen Apfel für dich, meine Liebe“, sagte die alte Frau.

„Nein“, sagte Schneewittchen. „Ich kann ihn nicht nehmen.“

„Du dummes Mädchen!“, antwortete die Königin. „Wovor hast du Angst? Glaubst du, er ist vergiftet? Schau, ich schneide den Apfel auseinander. Ich esse den weißen Teil, und du kannst den roten haben.“

Aber der Apfel war so gemacht, dass man die eine Seite essen konnte, die andere aber vergiftet war.

Schneewittchen fand den Apfel sehr verlockend. Er sah so gut aus. Als sie sah, wie die alte Frau die andere Hälfte aß, konnte sie nicht mehr widerstehen. Sie biss in den Apfel und fiel zu Boden.

„So weiß wie Schnee, so rot wie Blut, so schwarz wie Ebenholz. Diesmal wird dich nichts retten“, lachte die Königin. Ihre dunklen Augen funkelten vor Freude. Sie rannte nach Hause zu ihrem Spiegel, und endlich sagte er:

„Ihr seid die Schönste im ganzen Land.“

Endlich war das böse Herz der Königin froh. Zumindest so froh, wie ein böses Herz jemals sein kann.

Als die Zwerge am Abend nach Hause kamen, fanden sie Schneewittchen bewegungslos auf dem Boden. Sie hoben sie auf und suchten überall nach etwas Giftigem. Sie taten alles, was ihnen in den Sinn kam, aber Schneewittchen war tot, und sie blieb tot.

Drei ganze Tage lang weinten die sieben Zwerge zusammen. Schließlich beschlossen sie, Schneewittchen zu beerdigen, aber sogar im Tod sah sie so schön aus, dass sie sagten:

„Wir können sie nicht in die dunkle kalte Erde legen.“

Sie machten einen Sarg aus Glas und legten sie hinein. Auf den Deckel schrieben sie in goldenen Buchstaben, dass sie eine Prinzessin war. Dann brachten die Zwerge den Sarg auf den Berggipfel. Einer von ihnen blieb immer neben ihm, um über Schneewittchen zu wachen. Sogar die Vögel kamen und betrauerten das tote Schneewittchen. Zuerst kam eine Eule, dann ein Rabe, und zuallerletzt eine kleine Taube.

Schneewittchen lag lange Zeit in dem Sarg. Sie sah immer gleich aus, als würde sie schlafen. Ihre Haut blieb so weiß wie Schnee. Ihre Wangen waren so rot wie Blut. Ihr Haar war so schwarz wie Ebenholz.

Eines Tages kam ein Prinz auf den Berg. Er sah den Sarg mit Schneewittchen darin. Nachdem er gelesen hatte, was in goldenen Buchstaben geschrieben stand, sagte er zu dem Zwerg:

„Gib mir den Sarg. Ich gebe dir dafür, was du willst.“

„Nein“, sagte der Zwerg. „Wir würden uns für kein Gold der Welt von Schneewittchen trennen.“

„Nun gut“, antwortete der Prinz. „Bitte gib ihn mir, weil ich nicht ohne Schneewittchen leben kann. Ich werde sie mehr lieben als alles andere.“

Er klang so traurig, dass die Zwerge Mitleid mit ihm hatten. Sie gaben ihm den Sarg. Der Prinz bat seine Diener, ihn auf ihren Schultern wegzutragen.

Dann passierte etwas Außergewöhnliches. Als die Diener den Berg hinuntergingen, stolperten sie. Sie schüttelten den Sarg so stark durch, dass das giftige Apfelstück, das Schneewittchen geschluckt hatte, aus ihrem Hals fiel. Sie blinzelte ein wenig und öffnete dann die Augen.

Schneewittchen hob den Sargdeckel an und setzte sich auf, lebendig und gesund.

„Oh! Wo bin ich?“, rief sie.

Der Prinz war überglücklich.

„Du bist bei mir“, rief er. Er erzählte ihr alles, was passiert war, und sagte dann: „Ich liebe dich mehr als irgendjemanden sonst auf der Welt. Wirst du mit mir kommen und meine Frau sein?“

Schneewittchen willigte ein und ging mit dem Prinzen. Kurze Zeit später heirateten sie. Ihre Hochzeit war wundervoll.

Schneewittchens böse Stiefmutter gehörte zu den eingeladenen Hochzeitsgästen. Als sie sich für den Anlass prächtig gekleidet hatte, ging sie zu ihrem Spiegel und sagte:

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
aber die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr.“

Als sie das hörte, war die böse Frau außer sich vor Wut. Ihr neidisches Herz pochte in ihrer Brust, und sie wusste, dass sie niemals glücklich sein würde, bevor sie nicht die junge Königin gesehen hatte.

Als sie bei dem Fest ankam, sah sie, dass Schneewittchen die Braut war. Das Mädchen, das sie getötet hatte, war doch nicht tot. Ich fürchte, die Königin ist an ihrer eigenen Wut erstickt. Sie lief blau an und fiel tot auf den Boden.

Schneewittchen und ihr Prinz regierten viele Jahre lang glücklich. Manchmal gingen sie hinauf in die Berge und besuchten die Zwerge. Nie vergaßen sie die Freunde, die in der Not so gut zu Schneewittchen gewesen waren.

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